Mein Schicksal – Meine Chance

Ein Buch von Thorwald Dethlefsen hat fast den gleichen Titel (“Schicksals als Chance”) und es ist auch Anlass meiner heutigen Gedanken. Als ich dieses Buch, ich weiß nicht zum wievielten Male las und seinen Inhalt auf mich wirken ließ, wurde mir Einiges aus meinem Leben klarer, bewusster. Einer der inhaltschwersten Sätze aus diesem Buch hat mich diesmal besonders fasziniert – er lautet:

“Lernt der Mensch die erste wichtige Regel, dass alles was ist gut ist, weil es ist, so kehrt immer mehr Ruhe und Frieden in ihn ein.”

Viele Menschen hadern mit ihrem Schicksal, viele sehen in den von ihnen vermeintlich erlittenen Schicksalsschlägen die Ursachen für ihre Probleme. Es sind häufig die weniger Erfolgreichen, die ihr Schicksal dafür verantwortlich machen. Vergleicht man aber ihre Lebensbedingungen mit denen der Erfolgreicheren, dann stellt man meist mit Erstaunen fest, dass sie es sind, die wesentlich günstigere Start- und Umweltbedingungen besaßen.

Was ist “Schicksal”?

Viele, ja fast alle Menschen sind in einem Irrtum gefangen, wenn sie den Begriff “Schicksal” definieren. • Schicksal sind nicht nur jene Ereignisse, die uns störend in unserem Lebensablauf deswegen begegnen, weil wir sie im Augenblick als negativ für uns empfinden. Schicksal sind auch Ereignisse, die uns froh überraschen, die uns über ihr Eintreten glücklich werden lassen. Wir sind gewohnt, beide Ereignisse ihrer Polarität wegen, als gegensätzlich einzustufen. Sie haben aber beide aber etwas gemeinsam: sie treffen uns in unserem Gefühl und bringen uns so zum Nachdenken, zum Innehalten, um ihrer Bedeutung gewahr zu werden. Es ist eine glückliche Erfahrung, dass die Wirkungen positiver und negativer Ereignisse so deckungsgleich beieinander liegen. Es ist diese Erkenntnis vielleicht ein erster Schritt dazu, aus dem menschlichen Polaritätsdenken und -empfinden auszubrechen.

Es ist sehr nützlich, wenn wir gedanklich unseren Lebensweg zurückgehen, um sowohl positive, als auch negative Erlebnisse in ihrer Wirkung auf unser Leben noch einmal Revue passieren zu lassen: was haben wir daraus gemacht? Wie haben wir die Chance eines Besinnens genutzt?

Dr. Großmann hat einmal einen Satz geschrieben, der mir schon vor fast 40 Jahren zu Denken gab: “Wer es nicht unternimmt, so an die Verwertung seines Unglücks heranzugehen – – – hat es gar nicht verdient, vom Schicksal in eine Katastrophe gestürzt worden zu sein!” Ich dach­te an meine Katastrophen. Hatte ich sie verdient, um mich hinauf entwickeln zu können? Was hatte ich aus ihnen gemacht? Ich gestehe frei und offen, dass ich heute für manche harten Schicksalsschläge dankbar bin. Sie haben mich zu dem werden lassen, der ich heute bin. Sie haben mich zum Nachdenken und hin und wieder auch zur Umkehr gebracht.

Schicksale sind keine willkürlichen Ereignisse in unserem Leben. Wenn sie uns zum Nachdenken motivieren sollen, dann haben sie ihre Wurzeln in unseren eigenen Lebensweg. Möglicherweise (oder fast sicher!) sind wir selbst Verursacher, zum mindesten aber immer Mit-Verursacher dessen, was und vor allen Dingen wie es uns trifft. Dies ist der Schlüssel zur Antwort auf unsere Frage, warum jemand immer und immer wieder bei gleichen oder ähnlichen Situationen scheitert.

Das Leben als Lernprozess

Als ich mich zum ersten Mal mit den Gedanken an mein eigenes Lebenswunschbild beschäftigte, habe auch ich zuerst einmal mein bis dahin abgelaufenes Leben betrachtet. Dabei fiel mein Augenmerk ganz selbstverständlich auch auf die Ausführungen der Großmann-Methode und „Persönliche Situationsanalyse“ mit ihren detaillierten Fragen zum bisherigen Leben.

Mich aber hat diese Erfahrung fasziniert! Lebenswunschbild, heißt das nicht: sich immer weiter zu entwickeln, zu immer neuen Stufen und immer neuen Veränderungen? Wir sind ja doch nie “fertig”, mindestens nach allen sieben Jahren gibt es einen neuen Anfang. Also lässt sich doch mein Lebenswunschbild gliedern in meine Entfaltung in Bezug auf mein Wissen, auf meine Werte, auf meine Aktivitäten, auf meine Gesundheit und Leistungsfähigkeit, auf meine Persönlichkeit, mein Ich, auf meine Lebenspartner, auf meine berufliche Arbeit, meine Krisen (Schicksale), meine Stellung in und zur sozialen Umwelt und schließlich zur Gesamtwelt, zur Natur zur Schöpfung.

Welch ein schöner Gedanke: ich brauche nur meine Analyse zu durchwandern durchwandern und ich finde Anregungen über Anregungen zu meinen ganz persönlichen Lebenswunschbild. Ein ganzer Hauptpunkt ist dem Wettbewerb, der Auseinandersetzung mit meiner Mitwelt gewidmet und zeigt im Umfeld Vorsorge und Auswertungsmöglichkeiten der sogenannten “Schicksalsschläge” auf, die mir widerfahren sind und noch kommen können.

Es lohnt sich auch einmal über sein eigenes “Schicksal” so nachzudenken, um eine ganz andere Sichtweise zu erhalten: “Alles was ist, ist gut, weil es ist!” Das ist der erste Schritt, um unser Leben samt seiner Polarität richtig einzuschätzen ist, es zu verstehen.